Ziehen an der Leine hat selten nur eine Ursache - oft kommen mehrere Faktoren zusammen.

Warum ein Hund an der Leine zieht, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Aus meiner Arbeit mit Mensch-Hund-Teams begegnen mir dabei immer wieder einige Ursachen besonders häufig:


1. Aufregung und Stress

Ein Hund, der emotional stark aufgeregt oder gestresst ist, kann häufig nicht mehr so gut auf das zurückgreifen, was er eigentlich gelernt hat. Andere Hunde, spannende Gerüche, eine neue Umgebung oder viele Reize können dazu führen, dass die Leinenführigkeit plötzlich nicht mehr funktioniert.


2. Fehlende Struktur

Was soll dein Hund an der Leine eigentlich tun? Wenn es dafür keine klaren und verlässlichen Abläufe gibt, muss dein Hund selbst herausfinden, wie er sich in der Situation verhalten soll. Je klarer wir unsere Erwartungen definieren und unserem Hund vermitteln, desto leichter wird Orientierung.

3. Pubertät und Entwicklung

Leinenführigkeit ist ein längerer Lernprozess und wird nicht innerhalb weniger Wochen zuverlässig funktionieren. Gerade in der Pubertät kann bereits Gelerntes phasenweise wieder schlechter abrufbar sein. Neue Reize, Hormone und die Entwicklung des Hundes beeinflussen sein Verhalten. Konsequenz und Geduld sind hier besonders wichtig.

4. Erlerntes Verhalten durch wiederkehrenden Erfolg

Wenn dein Hund durch Ziehen regelmäßig das erreicht, was er möchte, wird dieses Verhalten für ihn sinnvoll. Er zieht zum Beispiel und kommt dadurch schneller zu einem spannenden Geruch, einem anderen Hund oder seinem gewünschten Ziel. Was sich für den Hund lohnt, wird wiederholt.

Leinenführigkeit ist mehr als „nicht ziehen“

Das Laufen an der lockeren Leine entsteht nicht über eine einzelne Übung oder eine bestimmte Methode. Sie ist ein Zusammenspiel aus Orientierung, Kommunikation, Emotionen und klaren Strukturen. Dein Hund muss lernen, was du von ihm möchtest – und du musst lernen, sein Verhalten richtig einzuschätzen und ihm in unterschiedlichen Situationen Orientierung zu geben. Dabei darf Leinenführigkeit auch immer individuell aussehen. Entscheidend ist nicht, dass dein Hund permanent perfekt neben dir läuft, sondern dass ihr gemeinsam einen Umgang findet, der für euch im Alltag funktioniert.

Leinenführigkeit kann jeder Hund lernen

Ja, wirklich: Jeder Hund kann lernen, sich an der Leine besser zu orientieren. Egal, ob klein oder groß, jung oder alt – Leinenführigkeit ist kein Verhalten, das nur bestimmte Hunde lernen können.


Dabei geht es nicht darum, ein bestimmtes Verhalten einfach abzurufen oder das Ziehen ständig zu unterbrechen. Vielmehr können wir unseren Hunden sinnvolle Signale und Verhaltensweisen vermitteln, die ihnen Orientierung und Struktur geben.



Blickkontakt, Seitenwechsel, Stehenbleiben, Weitergehen oder ein klarer Umgang mit unterschiedlichen Leinenlängen sind dabei einzelne Bausteine, die wir unabhängig voneinander aufbauen und später miteinander verbinden können.


So entsteht nach und nach ein verständlicher Rahmen für Hund und Mensch, der euch hilft, entspannter und sicherer unterwegs zu sein.


Leinenführigkeit braucht einen klaren Aufbau

Bevor wir mit dem Training beginnen, sollten wir uns zunächst überlegen, was Leinenführigkeit für uns überhaupt bedeutet. Denn „mein Hund soll nicht ziehen“ ist als Trainingsziel noch ziemlich ungenau. Fragen, welche wir uns stellen können, wären Folgende:

  • Wo darf mein Hund laufen? Soll er sich in einem bestimmten Bereich bewegen?
  • Darf er die Seite selbstständig wechseln – und wenn ja, wie?
  • Was soll passieren, wenn ich stehen bleibe oder die Richtung wechsle?
  • Und wie kann mein Hund mir zeigen, wenn er an einer bestimmten Stelle gerne schnüffeln oder etwas erkunden möchte?
  • Was ist, wenn es zu einer Hundebegegnung kommt?


Dabei geht es nicht darum, dem Hund möglichst viele Regeln vorzugeben. Leinenführigkeit bedeutet für mich vor allem, gemeinsam unterwegs zu sein und miteinander zu kommunizieren. Wir geben unseren Hunden Orientierung und einen verständlichen Rahmen, gehen dabei aber auch auf ihre Bedürfnisse und ihr Verhalten ein. Denn auch dein Hund soll lernen, sich an dir zu orientieren – und du solltest lernen, dich an deinem Hund zu orientieren.

Gemeinsam zu mehr Sicherheit im Alltag

Leinenführigkeit ist ein Prozess, der Zeit, Übung und Verständnis auf beiden Seiten braucht. Genau dabei möchte ich euch unterstützen.

In meinem Gruppenkurs „Leinenführigkeit & Orientierung“ erarbeiten wir gemeinsam die Grundlagen für einen entspannten Umgang an der Leine. Wir schauen uns nicht nur das Verhalten deines Hundes an, sondern auch die Emotionen dahinter, bauen Orientierung und hilfreiche Signale auf und üben, wie ihr mit unterschiedlichen Alltagssituationen umgehen könnt. Der nächste Gruppenkurs zum Thema Leinenführigkeit & Orientierung startet am 26. September 2026.

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